Podcast und Interview mit Mira Giesen

Ständig neue Funktionen, ein wechselnder Algorithmus und sinkende organische Reichweiten: Lohnt sich Instagram für Unternehmen noch?
In dieser Folge von TREFF-PUNKT.Marketing sprechen wir mit Mira Giesen, Onlinemarketing-Beraterin und eMBIS-Trainerin, über die Rolle von Instagram im Marketing-Mix. Dabei geht es um die Frage, ob sich Instagram auch für B2B-Unternehmen lohnt, wie viele Follower wirklich nötig sind und woran Unternehmen erkennen, ob der Kanal zu ihnen passt.
Außerdem sprechen wir über bezahlte Anzeigen, wichtige Signale für den Algorithmus und teure Fehler im Instagram-Marketing. Dazu gibt es praktische Tipps für den Einsatz von KI und zwei Insider-Tipps zum direkten Ausprobieren.
Worüber wir in dieser Podcast-Episode sprechen
- Was macht Instagram besonders und welche Rolle spielt es im Marketingmix?
- Für welche Unternehmen lohnt sich Instagram heute noch?
- Wie unterscheidet sich Instagram-Marketing im B2B und B2C?
- Welche Ziele lassen sich mit Instagram erreichen?
- Wie gelingt organische Reichweite und wann lohnen sich Instagram Ads?
- Welche Fehler sollten Unternehmen auf Instagram vermeiden?
- Wie verändert KI die Content-Produktion auf Instagram?
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Experteninterview mit Mira Giesen: Instagram Marketing
Nur 5 bis 15 Prozent deiner Follower erreichst du organisch, der Algorithmus ändert sich ständig, der Aufwand bleibt: Lohnt sich Instagram für Unternehmen überhaupt noch? Im Interview spricht Mira Giesen, Online-Marketing-Beraterin und eMBIS-Trainerin, mit uns über Strategie, Algorithmus und Ads – und darüber, warum Unternehmen nicht an fehlender Reichweite scheitern, sondern weil sie ohne klares Ziel starten.
eMBIS: Was macht aus deiner Sicht die besondere Magie von Instagram aus und welche Bedeutung hat die Plattform im Marketing-Mix von Unternehmen noch?
Mira: Die meisten Menschen sind bei Instagram in einer „Reel-Relationship“, also in einer Beziehung über Videos. Wir schicken uns gegenseitig, was uns bewegt, privat wie auch Unternehmensvideos. Dadurch werden Marken menschlicher: Humor, Erklärungen, echte Menschen und Einblicke kommen zum Einsatz. Die Grenze zwischen Marketing und Unterhaltung löst sich ein Stück weit auf.
Dazu kommt: Instagram ist ein Format-Baukasten. Reels sind für Entdeckung und Aufmerksamkeit da und algorithmusstark: Wer ein Video komplett schaut, bekommt neue Reels der Firma. Danach folgen Karussellposts mit Wissen und Stories vom Alltag, und schließlich kommen Direct Messages, DMs, und Kommentare. Im Marketing-Mix ist Instagram also für Reichweite, Aufmerksamkeit und Verkauf einsetzbar. Die einzelnen Formate muss man aber lernen. Dabei kommt es auf die Strategie an. Viele Unternehmen haben noch keine richtige.
eMBIS: Für welche Unternehmen ist Instagram wirklich noch eine starke Plattform, eher B2B oder B2C?
Mira: Ich mache das nicht an der Branche fest, sondern an drei Punkten. Erstens: Ist meine Zielgruppe dort? Die Kernzielgruppe bei Instagram sind vorwiegend junge Erwachsene zwischen 18 und 34. Instagram gehört aber zu den erfolgreichsten Social-Media-Plattformen. Zweitens: Kann ich regelmäßig Inhalte schaffen, die Mehrwert und Vertrauen aufbauen? Video ist der vorherrschende Content, und der Algorithmus bevorzugt Videos. Wenn Video nicht die Spielwiese eines Unternehmens ist, ist Instagram nicht der richtige Partner. Drittens: Was soll am Ende passieren?
Bei visuellen und emotionalen Branchen wie Tourismus, Sport oder Beauty ist Content einfach zu erstellen. Aber auch im B2B gibt es viele Möglichkeiten, zum Beispiel einen Vertriebler, der aus dem Nähkästchen plaudert, oder einen Produktionsleiter, der durch die Firma führt. B2B-Unternehmen wollen oft Kontakte oder Mitarbeitende gewinnen.
eMBIS: Gibt es auf Instagram unterschiedliche Ziele für B2B und B2C, oder sind das die klassischen Ziele wie Leadgenerierung?
Mira: Auf Instagram sind Reichweite und neue Kontakte das eigene Ziel. Am Ende wollen ja alle Firmen, dass Menschen auf ihre Seite kommen. Dazwischen steht die Lead-Generierung, also E-Mail-Adressen. Was man wissen sollte: Auf Instagram habe ich nie die volle Reichweite: Von 1000 Fans erreiche ich organisch etwa 5 bis 15 Prozent. Deshalb sollte ich mir immer eine unabhängige Quelle schaffen, wo ich Menschen direkt erreiche, Kontakte, die nur mir gehören. Das gilt für B2B und B2C. Beim Content geht es dann um die Probleme, Wünsche und Sehnsüchte der Zielgruppe. Daraus ergibt sich ein Redaktionsplan.
eMBIS: Welche Unterschiede siehst du zu B2C und B2B?
Mira: Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass B2C absolut emotional sein darf und B2B sachlich sein muss, denn auch im B2B kommunizieren wir mit Menschen. Der große Unterschied ist die Customer Journey. Im B2C kann sie ganz kurz sein: Ich sehe ein Kosmetikprodukt im Reel und bin schnell im Warenkorb. Im B2B ist der Entscheidungsprozess länger und läuft über verschiedene Kontaktpunkte. Komplexe Leistungen lassen sich über Menschen, konkrete Probleme, Case Studies und Einblicke aber greifbar machen.
eMBIS: Gibt es Aufgaben in der Customer Journey, in denen Instagram besonders stark ist, oder kommt es auf die individuelle Kundenreise an?
Mira: Ich baue mit meinen Teilnehmenden in meinen Seminaren immer eine Strategie mit einem Content-Mix, der alle Punkte erreicht. Erstens Content für Reichweite, zum Beispiel witzige Videos, die mir neue Fans und Follower sichern und schnell das Eis brechen.
Zweitens Content für Kontakte, die mich und meine Firma schon kennen. Hier steht meine Fachexpertise im Vordergrund. Ich muss nicht in Gen-Z-Sprache sprechen, sondern darf Expertin oder Experte sein und über die Themen und Probleme meiner Kunden reden. Das baut Vertrauen auf.
Drittens ein Element, das die Community zuverlässig auf meine Website führt, im besten Fall auf eine konkrete Seite, etwa einen Blogartikel mit Lead-Generierung oder eine Produktseite. Für alle gleich ist das nicht. Gemeinsam überlegen wir, was für wen das passende Reichweiten-Element ist.
eMBIS: Nach welchen Kriterien entscheidet der Instagram-Algorithmus, welche Inhalte ausgespielt werden?
Mira: Der Instagram-Algorithmus unterteilt nach Content-Art: Video kommt vor Text, und er orientiert sich am Nutzerverhalten. Instagram will, dass wir möglichst lange bei den Videos bleiben. Likes stehen in der Hierarchie weit unten und sind nicht mehr wichtig. Wichtig ist, ob ein Reel geteilt, gespeichert, kommentiert oder bis zum Ende angesehen wurde.
eMBIS: Funktioniert Content auf Instagram noch ohne Ads, oder brauche ich unbedingt Ads?
Mira: Ich bin kein Freund davon, einfach Anzeigen zu schalten. Im eMBIS-Seminar zu Social-Media-Anzeigen war ich entsetzt, was für eine Geldfalle das ohne Strategie sein kann. Der Traum, eine Anzeige zu schalten und viele Leute zu erreichen, ist vorbei. Anzeigen sollten gezielt entlang der Kundenreise geschaltet werden. Ein Glücksfall ist eine exakt targetierbare Zielgruppe.
Eine reine Reichweiten-Anzeige unterstützt meine unternehmerischen Ziele nicht. Ich empfehle mit Menschen zu arbeiten, die einem schon folgen oder sich in den letzten 90 oder 120 Tagen Reels von meinem Unternehmen angesehen haben. Wenn ich 90 Tage lang Content zu einer Problematik mache und ein passendes PDF anbiete, kann ich diesen Menschen passende E-Mails senden. Dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass sie Kunden werden. Unternehmer sind keine Influencer. Ich muss nicht 100.000 erreichen, sondern nur mit denen arbeiten, die ich habe.
eMBIS: Welche typischen Fettnäpfchen beobachtest du, und was kostet Unternehmen viel Zeit für nichts?
Mira: Der große Fehler ist, Content zu machen, ohne sich des eigenen Ziels bewusst zu sein. Ohne Zielstellung wird es nicht funktionieren, egal ob ich blogge, podcaste oder Instagram nutze. Den Plan kann ich aber jederzeit nachholen, denn aus bisherigem Content kann ich Daten ziehen: Worauf reagiert die Zielgruppe und worauf nicht, auch über Mikrosignale.
Ein teures Fettnäpfchen ist Musik in Reels. Sie ist in der Regel GEMA-geschützt und darf nicht einfach kommerziell genutzt werden. Nutzet man urheberrechtlich geschützte Musik, um besonders trendy zu wirken, kann das bis zu 8000 Euro oder mehr kosten.
eMBIS: Wo hilft KI bei der Content-Produktion wirklich, und wo wird sie zum Fettnäpfchen?
Mira: Seit August 2026 gibt es die KI-Kennzeichnungspflicht, vor allem für Bilder und Videos. Sie ist sinnvoll, weil KI täuschen kann. Langfristig soll die Kennzeichnung Verbraucher schützen.
Ich nutze KI für die Personalisierung. Ich arbeite in ChatGPT in Projekten und habe der KI gezeigt, wie ich spreche und was in meinem Unternehmen wichtig ist. Mein Briefing legt fest, wie die KI sprechen soll und wie nicht, und wie Bilder aussehen sollen und wie nicht. Dann ist der Output viel besser. Zudem nutze ich KI für Content Repurposing und Ideenfindung. Mein Hauptcontent ist mein Podcast. Daraus entstehen SEO- und GEO-optimierte Blogartikel und daraus wiederum kurzer Content für Instagram. Die Arbeitsschritte mithilfe von KI sind viel leichter als früher, man muss aber wissen, wie man das Werkzeug einsetzt.
eMBIS: Welche Rolle spielt Instagram für dich persönlich im beruflichen Umfeld, und welche Strategie steckt dahinter?
Mira: Ein Großteil meines Contents ist Repurposing meines Podcasts. Daraus mache ich Reels und Karussellgrafiken mit kurzen Impulsen, die neugierig machen, zum Beispiel: „Wenn du das Problem hast, könnte das für dich interessant sein.“ Dann lade ich zu einem Blogartikel oder einer Podcastfolge ein. Wer den Podcast abonniert, ist alle 14 Tage mit neuen Folgen verbunden. Im Blogartikel erscheint nach 70 Prozent Scrollen die Einladung zu einem Freebie, „Wie du deinen Zoom pimpst“, fünf Tipps in einem Video, wie man Sicherheitslücken auf Zoom schließt. 70 Prozent meiner Website-User tragen sich dort ein. Danach greift meine E-Mail-Marketing-Strategie. Zusätzlich mache ich Reels für Aufmerksamkeit, die Solopreneure und ihre Probleme betreffen.
In meinen Stories stelle ich zu Beginn eine Frage, zum Beispiel: „Fragst du dich, wie viel deine Leistung in der Stunde wert ist?“ Auf der nächsten Story verlinke ich drei alte Beiträge, die dabei helfen. So erhalten alte Reels und Beiträge neue Aufrufe. Fragen in den Stories bringen mich außerdem direkt in die Privatnachrichten. Instagram erkennt die Bindung und spielt meinen Content bevorzugt aus. Ich schreibe viele Privatnachrichten mit Interessenten.
eMBIS: Wenn ein B2B-Marketing-Team heute seine Instagram-Strategie neu aufsetzt: Was sollte es unbedingt tun, und was kann es sich sparen?
Mira: Unbedingt Zielgruppe und Ziel überprüfen. Dann den bisherigen Content ansehen: Was lief gut? In den Insights sehe ich, was gespeichert oder geteilt wurde, und darauf kann ich aufbauen. Dazu zwei Mikrotipps. Ich würde nicht jedem Trend hinterherspringen. Stattdessen empfehle ich die Test-Reel-Funktion: Ein als Testreel gepostetes Reel wird bevorzugt Menschen ausgespielt, die mir noch nicht folgen. Ich kann meine besten Reels erneut als Testreel posten, ohne die bestehende Community zu nerven. Viele Influencer-Accounts machen das.
Ein zweiter Tipp ist die Favoriten-Funktion. Wer einem Account folgt, kann ihn über „Gefolgt“ zum Favoriten hinzufügen. Der Account wird dann bevorzugt in Stories und Timeline eingeblendet. Diesen Tipp kann ich meiner Community geben: „Fügt uns zu euren Favoriten hinzu.“ Das ist besser als „Folge mir“. Es funktioniert besonders gut mit der richtigen Strategie.
5 wichtige Fakten zum Instagram-Marketing
Instagram ist für viele Unternehmen ein wichtiger Teil im Onlinemarketing. Über Bilder, kurze Videos und Stories können Marken ihre Angebote zeigen, Vertrauen aufbauen und mit Menschen ins Gespräch kommen. Entscheidend ist dabei nicht allein die Zahl der Follower. Eine gute Instagram-Strategie richtet sich nach der Zielgruppe, den Unternehmenszielen und den Inhalten, die Menschen wirklich interessieren.
Der Instagram-Algorithmus bewertet Inhalte unterschiedlich
Instagram nutzt verschiedene Systeme für Feed, Stories, Reels und die Entdecken-Seite. Deshalb sollten Sie Inhalte passend zum jeweiligen Format planen und ihre Wirkung getrennt prüfen.
Wiedergabezeit und geteilte Beiträge sind wichtige Signale
Bei der Verbreitung von Inhalten zählen unter anderem Wiedergabezeit, Likes und das Teilen mit anderen. Prüfen Sie deshalb, welche Beiträge Menschen ansehen und weiterleiten.
Viele Follower bedeuten nicht automatisch mehr Erfolg
Die Zahl der Follower zeigt allein noch keinen geschäftlichen Erfolg. Prüfen Sie auch Profilaufrufe, Website-Besuche, Anfragen und andere Ergebnisse, die zu Ihren Zielen passen.
Instagram bietet Chancen für B2B- und B2C-Unternehmen
Auch für Unternehmen mit Geschäftskunden kann Instagram sinnvoll sein. Zeigen Sie Fachwissen, Mitarbeitende und Beispiele aus der Praxis und prüfen Sie, ob Sie damit Ihre Zielgruppe erreichen.
Bezahlte Anzeigen brauchen klare Ziele und ein festes Budget
Mit bezahlten Instagram-Anzeigen können Sie zusätzliche Menschen ansprechen. Legen Sie vor dem Start ein Ziel und ein Budget fest und kontrollieren Sie regelmäßig Kosten und Ergebnisse.
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